Mehr zu mir

Ich bin in einem offenen und liebevollen, christlich geprägten Umfeld groß geworden. Meine Eltern haben sich nach ihren Möglichkeiten bemüht, mich immer auf meinen Lebensweg zu unterstützen. Durch meinen Vater kam ich bereits als Kind mit der Heilkunde in Kontakt - er hatte als Teil seiner eigenen Entwicklung eine Heilpraktiker Ausbildung absolviert. So wurde ich im Wesentlichen von ihm behandelt, mit der Unterstützung von naturheilkundlich orientierten Ärzten unseres Vertrauens. Dies prägte bereits früh meine Haltung zu Themen von Gesundheit und Krankheit, dass ich als Kind z.B. richtig Fiebern konnte, keine Antibiotika einnehmen musste und Ärzte mehr unterstützende Berater waren, statt uns eine Behandlung vorzuschreiben. Die wichtige Rolle ausgewogener Ernährung und die Bedeutung eines gesunden Naturbezuges habe ich stets in diesen Jahren als einen selbstverständlichen Teil in meinem Leben empfunden.

 

Spätestens im Rahmen meines Studiums der Ethnologie (Völkerkunde), Vergleichenden Religionswissenschaft, Philosophie und der Erziehungswissenschaft begannen meine Gedanken über die einseitige Perspektive, die unsere Weltwahrnehmung mit sich bringt, in andere, greifbarere Formen zu fließen. Im geisteswissenschaftlichen Rahmen setzte ich mich mit verschiedenen kulturellen und religiösen Modellen auseinander, die sich mit den grundlegenden Fragen auseinander setzten, die mich bis heute beschäftigen: Was ist der Mensch? Was von unserer Welt können wir wahrnehmen? Gibt es die Möglichkeit einer wirklich objektiven Wahrnehmung der Realität? Was treibt dieses Ganze an, hält alles zusammen und gibt dieser Gesamtheit ihren Sinn? Ich habe für mich wesentliche Antworten darauf gefunden. Dabei ist weniger die Frage von Bedeutung, ob es sich um allumfassende Wahrheiten handelt oder ein individuell erlebtes und erfahrenes Koordinatensystem, ein gute Arbeitshypothese, auf deren Grundlage ein sinnerfülltes Leben im Frieden mit mir und der Welt möglich ist.

 

Der Kern dabei ist für mich Gott, in meinem eigenen Verständnis und Erleben die universelle Liebe und Bewusstheit, ohne die alles nicht existieren würde. Dazu kommen verschiedene Elemente aus anderen Religionen und spirituellen Traditionen: aus dem Mahayana-Buddhismus nahm ich die Einstellung, dass alles Leiden Teil des Lebenskreislaufes und darin vergänglich ist, dass es darum geht, mit Achtsamkeit und Mitgefühl seinem Weg zu gehen und anderen dabei zu helfen, den ihren zu finden. Und ein neutrales Verständnis davon, dass alle Handlungen ihre Konsequenzen haben, die wiederum auf uns zurückwirken (Karma). Den schamanischen Traditionen entnahm ich die Vorstellung einer Beseelung aller Wesen wie auch der Erde an sich, sowie der Möglichkeit, mit einander in konkreten Kontakt zu treten, um uns gegenseitig zu helfen. 

 

Mir ist wichtig, dass jeder Mensch zu seinem eigenen Lebensweg, seiner Wahrheit finden kann und muss. Niemand kann und soll von irgendetwas überzeugt oder missioniert werden als von dem, was er oder sie in ihrem eigenen Empfinden, Denken und Wahrnehmen erfährt. Die Beschäftigung im Studium mit Themen wie Medizinethnologie, Public Health, verschiedenen religiösen Bewegungen, ... brachte mir also einiges für meine innere, persönliche Entwicklung. Um dies auch in der äußeren Welt zum Tragen zu bringen, machte ich einen Vergleich über das Menschenbild der Anthroposophischen Medizin und der Schulmedizin zum Thema meiner Magisterarbeit.

 

 

     

 

Nach allem bereits Ausgeführten sollte nicht überraschen, dass die Sinnhaftigkeit der menschlichen Existenz, ob sie nun konkret im Einzelfall immer wahrgenommen werden kann oder nicht, sich für mich auch auf das Gebiet von Gesundheit, Krankheit und Heilung erstreckt. Ich bin überzeugt, dass eine Erkrankung auf psychischer oder physischer Ebene immer einen Bezug zu dem betroffenen Menschen hat. Ob und wie dieser Bezug erkannt werden und was der Einzelne damit anfangen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt. Mit der Vorstellung, Krankheit habe einen erfahrbaren Sinn, geht die Betonung der individuellen Verantwortung für das eigene Leben einher. Diese Verantwortung können wir an niemanden abgeben, kein Arzt oder Heilpraktiker, kein Priester oder Coach, kein Freund oder Partner können uns diese fundamentale Verantwortung abnehmen.

 

Es werden unterschiedliche Therapien angeboten zur Kurierung aller möglicher Leiden und auf akute Beschwerden bezogen können diese Behandlungsformen durchaus ihre Wirkung zeigen. Eine umfassende Heilung beinhaltet jedoch immer auch eine innere Entwicklung des Menschen. Wir sind eben nicht nur Körper, nur organische Maschinen, deren Regler und Rädchen neu eingestellt, Teile der Hardware ausgetauscht oder die Software optimiert werden. Das allein reicht dem Menschen nicht dazu, ein glückliches Leben zu führen, weshalb wir heute lieber Gesundheit wünschen als inneren Frieden. Die WHO definiert Gesundheit umfassend als ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Das schließt eben auch die innere Grundhaltung zu uns und dem Leben ein.

 

Mit der Betonung der Verantwortung für unsere Gesundheit, unser Glück und unser Leben begeben wir uns jedoch auf eine möglicherweise problematische Ebene: im heutigen Wahn der Selbst-Optimierung wird aus Selbst-Verantwortung schnell eine moralische Keule, die den von Krankheit(en) und Leiden Betroffenen gar eine Schuld unterstellen kann. Was habe ich falsch gemacht? Hätte ich mich gesünder ernährt, mehr Sport getrieben, wäre ich ein besserer Mensch gewesen ... hätte mich dann die Krankheit verschont? Das kann und darf nicht die Argumentation sein! Niemand kennt genau den Lebensweg, die Lernaufgaben, die Stärken und Schwächen, die Motivationen und Verletzungen einer anderen Person. Wir können einander weder ins Herz schauen noch gegenseitig unser Denken beobachten - und das ist auch gut so. Ich kann lediglich als Therapeut versuchen, meine Patienten in ihrem Weg zu unterstützen; ihre Leiden zu lindern oder bei ihrer Heilung mitzuwirken, wenn dies möglich sein sollte. Niemals kann ich den anderen ihr Schicksal, ihre Entwicklung, ihre Lebensaufgaben abnehmen. Dies mündet für mich in ein Verständnis von Heilkunde als einer Unterstützung des Menschen auf allen erreichbaren Ebenen, von der körperlichen bis zur geistigen bzw. seelischen Ebene. So weit möglich, möchte ich die Eigenregulation (Homöostase) anregen, die von geeigneten therapeutischen Massnahmen flankiert werden sollte. Eine Stärkung, Reinigung und Klärung des Menschen steht in vielen Fällen im Zentrum. Aus meiner Auseinandersetzung mit der Anthroposophischen Medizin gründen Vorstellungen einer persönlichen Entwicklung des individuellen Menschen, bei der unterschiedliche Ebenen und Vorstellungen mit einfließen können. Etwa auch das organische Zusammenwirken unseres persönlichen und sozialen Lebens, das nicht völlig getrennt von einander betrachtet werden kann.

 

Das trägt sich - in der heutigen Zeit immer mehr - auch auf die Ebene des politischen und sozialen Miteinanders hinaus, das allzu oft zu einem reinen Gegeneinander verkommen ist. Allein die rein wirtschaftliche, wissenschaftliche Perspektive auf die Welt und unser Klima sollte uns inzwischen vor Augen geführt haben, dass es höchste Zeit ist, etwas Grundlegendes zu ändern. Vor fast 50 Jahren wurde bereits mit den Grenzen des Wachstum eine deutliche Warnung führender Wissenschaftler über den Zustand der Welt artikuliert mit der Schlussfolgerung: " Ganz neue Vorgehensweisen sind erforderlich, um die Menschheit auf Ziele auszurichten, die anstelle weiteren Wachstums auf Gleichgewichtszustände führen. Sie erfordern ein außergewöhnliches Maß von Verständnis, Vorstellungskraft und politischem und moralischem Mut." Heute erleben wir jedoch eine erneute Phase der vergeblichen nationalen Abschottung gegenüber nur global lösbaren Problemen, haben skrupellose Rattenfänger mit ihren menschenfeindlichen und hasserfüllten schrillen Stimmen Konjunktur. Eines der großen Vermächtnisse der nordamerikanischen Indianer wird wiedergegeben mit " Kümmere Dich um das Wohlergehen aller Menschen und behalte immer nicht nur die heutige Generation, sondern auch die kommenden Generationen im Blick." Heute ist selbst das kurzfristige Denken in Legislaturperioden abgelöst worden von einem medialen Stakkato von unreflektierten oder manipulativ eingesetzten Versatzstücken. Diese werden abgesondert ohne jede Rücksicht auf Verluste an Würde, Achtung, Selbstreflektion oder Schamgefühl. Die Mauern wachsen an den Grenzen fast so schnell wie die in unseren Köpfen und um unsere Herzen. Eine solche Umgangsweise mit uns und der Welt muss jeden gesunden Menschenverstand beleidigen und jedes offene Herz bluten lassen. Und dennoch gibt es auch die andere Seite des Erwachens der Bewusstseins - Menschen, die sich einsetzen für unser Ökosystem, das Wohl unserer Mitmenschen und -tiere, gesunde Ernährung,  soziale Gerechtigkeit, ... Glaube in Liebe an die Hoffnung. Und keiner soll und kann das Leid der Welt auf seinen Schultern tragen. Aber jeder kann auf seine Weise, in seinem Rahmen dazu beitragen, die Welt zu einem schöneren, gerechteren, gesünderen und liebeserfüllteren Ort zu machen.

 

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